Anfang 1938 begannen die Planungen für einen Fliegerhorst der ehemaligen Luftwaffe bei Niedermendig. Im September 1939 verlegte ein Fernaufklärungsverband mit Do 17-P Aufklärungsflugzeugen auf dem wegen der Kriegsereignisse nur mit einer Graspiste und behelfsmäßigen Unterkünften ausgestatteten Platz.

Im März 1945 besetzten amerikanische Truppen den  Flugplatz und übergaben ihn  Anfang Juli an die französischen Streitkräfte.

Am 7. Januar 1957 übergab der französische Kommandant Hubaut in einer kleinen Feier den Flugplatz an die junge Bundeswehr. Der Führer des Vorkommandos des Heeresfliegerkommando 801, Major Ebeling, war der Übernehmende. Die Trikolore wurde eingeholt und die Bundesdienstflagge gehißt. So wurde Niedermendig zum ersten Heeresflugplatz und damit zur Wiege der Heeresflieger.

Gemäß des Aufstellungsbefehls des BMVg vom 19. Februar 1957  sollte das Vorauspersonal des Heeresfliegerkommando 801 am 15. Februar 1957 zusammentreten, und ab 1. März 1957 die Teilaufstellung  des Stabes und der Stabsstaffel beginnen.

Diese Aufstellung stand unter Leitung von Oberst Häring, der erste Kommandeur dieses Kommandos Staffelkapitän der Stabsstaffel wurde Hptm Ganitta. Zum Stab gehörten sein Stellvertreter und S 3, Major Ebeling, Major Stümke und als erster Personaloffizier Hptm Krall. Für das Kraftfahrzeugwesen waren für eine kurze Zeit verantwortlich Major Dipl.-Ing. Baier und dann der unermüdliche HFw Holstein und schließlich Stabsarzt Dr.Schirrmann .

Für die Flugzeugtechnik  zeichnete anfangs Stabsfeldwebel Isbach verantwortlich, der später an der Schule Lehrer für Luftfahrzeugtechnik wurde.

Am 7. Januar 1957 wurde das erste Flugplatzkommando (H) 841 unter Leitung von Hptm Schneider aufgestellt, am 1. Juni 1957 kam die Heeresflieger-Versorgungs und Ersatzteilkompanie 834 unter Führung von Hptm Stoy hinzu, und schließlich entstand am 1. Juli 1957 die erste fliegende Staffel 811 unter dem Staffelkapitän Hptm Feldmann.

Die Heeresflieger-Versorgungs- und Ersatzteilkompanie 834 wurde im März 1958 in 835 umbenannt und am 5. Juli 1963 in Heeresflieger-Instandsetzungsstaffel 307 (HFlglnstStff) umgegliedert. Bei Aufstellung des Heeresfliegerregiments 35 in Mendig wechselte die Staffel in die Luftfahrzeugtechnischen Abteilung des Regiments.

Bevor der Flugbetrieb aufgenommen werden konnte, mußten die im Februar 1957 eingetroffenen ehemaligen Luftwaffenflugzeugführer, Unteroffiziere und Feldwebel in einem ersten Heeresfliegerlehrgang in die Belange des Heeres eingeführt werden. Diesen Lehrgang leitete Hptm Najock , der vom Bundesgrenzschutz zu den Heeresfliegern gekommen war. In diesem Lehrgang treffen wir Namen von Soldaten, die die Heeresfliegertruppe wesentlich mitgeprägt haben. Sie waren die Ersten und wurden deshalb auch am bekanntesten. Es waren alle hervorragende Soldaten und die meisten von ihnen kriegserfahrene Luftwaffenpiloten.

Einige davon sollen stellvertretend für sie genannt werden. Da waren die späteren  Gebirgsflugpiloten, die die Heeresfliegerstaffel (Gebirge) 8 mit aufgebaut haben, die HFw Brettl, Bründl und der spätere Hptm Kellner. Da waren HFw Halder, der spätere »Chefpilot« unserer Generale und OFw Patzak, ein erstklassiger Do 27-Pilot, der, wie auch später HFw Butwillus, nicht mehr auf Hubschrauber umgeschult wurde. Die bei Mittenwald tödlich verunglückten HFw Lahl, Riedel und Quast sowie die später als Fluglehrer an der Heeresfliegerwaffenschule bekannt (und Offizier) gewordenen HFw Diehl, Neumann, Uhlig, Warnecke, Hellmich und Obertanner.

Auch der wohl bekannteste H 21-Pilot, HFw Dehning, gehörte zu dieser Gruppe.

Nach diesem Lehrgang ging es zur Flugzeugführerschule »S« der Luftwaffe nach Memmingen, wo sie zunächst an einem Flugzeugführer-Auffrischungslehrgang (refresher course) teilnahmen, einem Lehrgang auf dem Flugzeugmuster Piper L 18. Einem sicheren Flugzeug, das später noch lange bei den Heeressportfluggruppen flog.

Diesen Soldaten und die nach ihnen kamen, verdankt die Heeresfliegertruppe, das der Anfang so gut gelungen ist. Ein kleiner Teil dieser Piloten hat man in Memmingen nicht auf Hubschrauber weitergeschult, sondern zurückkommandiert nach Niedermendig, um dort auf die Do 27 umgeschult zu werden. Dies war gleichzeitig der erste fliegerische Lehrgang, der in Mendig in eigener Verantwortung durchführt wurde. Als Fluglehrer fungierten Hptm Lutter und Hptm Wulff , beide erfahrene Piloten.

In Niedermendig stand auch die Wiege unserer Heeresfliegerwaffenschule. Es entstand zunächst die Heeresflieger- Lehr- und Versuchsgruppe, die dann später in die beiden Lehr- und Versuchsstaffeln 51 und Heeresflieger-Transport- Lehrstaffel 327 aufgeteilt wurde. Staffelkapitäne waren Hptm von Hagenow und Hptm Drebing. Nach Gründung und Verlegung der Schule entstand dann die Heeresfliegertransportstaffel 303, die im Jahre 1960 die erst Lehr- und Ausbildungsübung der Heeresfliegertruppe überhaupt durchführte. Staffelkapitän war Maj Schütt, später Maj Rockel. »Spieß« dieser Staffel HFw Rudolf . Diese Staffel bildete dann zusammen mit der Heeresflieger Staffel 301 am 1. November 1962 das Heeresfliegerbataillon 300 mit dem ersten Kommandeur OTL Küster, ihm folgten OTL Drebing und OTL Rockel, bis dann im Rahmen der allgemeinen Umgliederung 1971 daraus das Heeresfliegerregiment 35 (damals mittleres Heeresflieger-Transportregiment 35) entstand. Dieses wurde im Rahmen der Schließung des Standortes Mendig aufgelöst.

Mit Einführung des Transporthubschraubers CH 53 installierte man in Mendig  einen   Simulator dieses Typs,  in dem alle CH-53 Piloten der  Heeresfliegertruppe regelmäßig Übungsstunden, vor allem im Instrumentenflug, absolvieren mußten.

Und schließlich verlegte am 24. November 1969 die 1. und 2. Staffel des Heeresfliegerbataillons 5 von Fritzlar nach Mendig, aus denen nach Auflösung des Bataillons die Heeresfliegerstaffel 5 neu entstand. Sie wurde im Rahmen der Schließung des Standortes Mendig aufgelöst.

Nachdem 1966 das Richtfest für die neue Kasernenanlage gefeiert werden konnte, verlegte 1971 das Heeresfliegerkommando 3 von Koblenz nach Mendig. Es wurde als Heeresfliegerbrigade 3  2007 aufgelöst.

Niedermendig, oder heute Mendig, war bis 15. März 2007 Heeresflugplatz.

Am 3. Mai 2007 verabschiedeten sich die Soldaten in einer bewegenden Zeremonie  auf dem Mendiger Marktplatz von der Bevölkerung.

Am 30. Juni 2008 endete mit einem letzten Einholen der Bundesdienstflagge die Ära der Bundeswehr und der Heeresflieger in Mendig.

Seit Mai 2011 gibt es einen repräsentativen Platz der Erinnerung an die Heeresflieger nahe der ehemaligen Wache.

                                                                                                                                    
Recherche und Text: Leo Schmitt

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