Geboren am 8. Februar 1886 in München, aufgewachsen in Schwerin und später Angehöriger des Kadettenkorps in Plön, trat er 1904 als Seekadett in die kaiserliche Marine ein. Nach Absolvierung der Ausbildung zum Seeoffzier wurde der junge Leutnant zum Ostasiengeschwader versetzt, dessen Heimathafen zu dieser Zeit Tsingtau war.

Als hätte ihn dort die Abenteuerlust gepackt, meldete er sich sofort nach Rückkehr von diesem Auslandskommando zum neu gegründeten Marinefliegerkorps, wurde angenommen und zum Piloten ausgebildet. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahre 1914 wurde der eben beförderte Oberleutnant zur See Plüschow wiederum nach Tsingtau versetzt.

Mit einem einzigen und noch sehr einfach gebauten Flugzeug - einer ,,Rumpler-Taube"- unterstützte er die kleine deutsche Streitmacht. Als Japaner und Briten das deutsche Schutzgebiet angriffen, flog er über deren Linien und notierte die dabei gewonnen Aufklärungsergebnisse auf dem mitgeführten Notizblock. Für die damalige Kriegstechnik war dies bereits einmalig, versetzte es die Verteidiger doch in die Lage, die wenigen Granaten, die sie noch besaßen, gezielt gegen so erkannte Stellungen des Feindes zu verschießen. Noch berühmter wurde Plüschow jedoch dadurch, daß er selbst gebastelte Bomben abwarf und damit die ersten Bombeneinsätze der Kriegsgeschichte flog.

Er wurde in ein Lager nach England gebracht. Wiederum gelang die Flucht, als blinder Passagier erreichte er das Festland und endlich auch die deutsche Heimat. Als Kapitänleutnant verbrachte er die letzten Kriegsjahre in Kiel- Holtenau bei den dort stationierten Marinefliegereinheiten. Seine Erlebnisse in Tsingtau und seine abenteuerliche Flucht schildert Gunter Plüschow in seinem Buch ,,Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau", das im Laufe der Jahre eine Auflage von nahezu einer Million erreichte und darin nur von Richthofens ,,Rotem Kampfflieger" übertroffen wurde. Auch nach Kriegsende hielt Gunter Plüschow der Fliegerei die Treue. Angestellt bei einem großen deutschen Verlag organisierte er als Zeitungs- und Depeschenflieger die wichtige Schnellverbindung zur gesetzgebenden Versammlung nach Weimar.

Es folgten Jahre mit häufig wechselnden Tätigkeiten. U. a. stellte er als Rennfahrer einen Motorraddauerweltrekord auf die AVUS auf. Sein nächstes Abenteuer wurde die Seereise auf einem der letzten Großsegler, der ,,PARMA", die ihn um Kap Horn nach Chile führte. Dabei entstanden illustrierte Berichte für eine bedeutende Deutsche Wochenzeitung, sein Buch ,,Segelfahrt ins Wunderland" und darüber hinaus ein Film, den er nach seiner Rückkehr überall in Deutschland mit großem Erfolg vorstellte.

Im Jahre 1927 folgte eine weitere Fahrt, diesmal auf eigenem Schiff, einem speziell für diesen Zweck gebauten Fischkutter, mit dem er nach Südamerika aufbrach, um die noch weitgehend unbekannten Gewässer der Magellan-Straße zu erkunden. In der Absicht, auch über Land Forschungen anzustellen, ließ er ein kleines Heinkel-Flugzeug nach Feuerland bringen. Damit führte er sicherlich einzigartige Flüge durch. Als erster überflog er die Anden und das Seen- und Binnengletscher-Gebiet Südpatagoniens. Argentinien verdankt ihm die ersten ernstzunehmenden Landkarten dieser auch heute noch kaum zugänglichen Region. Er lernte Land und Leute kennen und ganz nebenbei baute er einen bescheidenen Luftfrachtdienst auf. Im südargentinischen Hafen Comodoro Rivdavia nahm er die Post auf, flog damit zu den weit verstreuten Siedlungen und warf nach einer Schleife den Postsack einfach ab. Nicht zuletzt hierauf beruht die Popularität, die Gunter Plüschow heute noch in Südamerika besitzt. Bei diesem ersten Südamerika-Aufenthalt entstanden wieder Illustriertenberichte, ein Film und das Buch «Silberkondor über Feuerland". Beide Reisen wären nicht möglich gewesen, ohne die großzügige Unterstützung jenes Verlages, für den er unmittelbar nach Kriegsende als Kurierflieger tätig gewesen war. Die sicher nicht geringen Ausgaben wurden als Werbungskosten verbucht, nicht zu Unrecht, denn Gunter Plüschow konnte dem Verlag gerade in Südamerika viele Deutsch-Amerikaner als Kunden gewinnen. Eine weitere Expeditionsreise sollte folgen. Sein Schiff hatte er in Chile verkauft, das Flugzeug jedoch eingelagert, um es später wieder einsetzen zu können. Diese Sparsamkeit wurde ihm zum Verhängnis. Am 28. Januar 1931 - er hatte Ende 1930 seine Forschungsarbeit wieder aufgenommen und bereits einige Flüge über Patagonien durchgeführt - fanden Gunter Plüschow und sein Mechaniker Dreblow beim Absturz ihres Flugzeuges den Tod. Ursache war ein Materialfehler, zurückzuführen auf die Lagerung im feuchten Klima.

Deutschstämmige Freunde aus Südargentinien errichteten den beiden deutschen Fliegern ein Denkmal, das noch heute von dortigen Jugendgruppen betreut wird.

In Ushuaia auf Feuerland ist ein Nachbau des legendären Silberkondor Heinkel HD 24W zu sehen.

 

Weitere Infos: www.Gunther-Plueschow.de